Gentechnikanbaufreie Gemeinde

Kammerstein lehnt Anbau von veränderten Pflanzen ab

Der Gemeinderat Kammerstein lehnt den Anbau von genveränderten Pflanzen auf gemeindlichen Flächen und gemeindlichem Pachtland ab. Einstimmig hat das Ratsgremium einen entsprechenden Beschluss gefasst. Mit dieser Entscheidung hat die Gemeinde Kammerstein eine Vorreiterrolle übernommen.

Wie Bürgermeister Walter Schnell ausführte, könne die Verwendung der so genannten „grünen Gentechnik“ eine Reihe gravierender Risiken für Menschen und Natur bergen. Dies könne insbesondere durch die Gefahr von Auskreuzungen von genveränderten Pflanzen in benachbarte, nicht genveränderte Pflanzen der gleichen Kulturart geschehen.

Auch bei der Einhaltung der derzeit vorgeschriebenen Schutzabstände könne der Pollenflug bei genveränderte Pflanzen eine Kontamination von Nachbarfeldern verursachen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass es bisher kaum verbindliche Regelungen für den Anbau von genveränderten Pflanzen gibt. Damit sei das friedliche, gleichberechtigte Mit- und Nebeneinander verschiedener Anbauformen ohne gegenseitige Beeinträchtigung durch die grüne Gentechnik gefährdet. Vertreter der Landwirtschaft machten im Gemeinderat deutlich, dass sie die Verwendung von gentechnisch veränderten Pflanzen ebenfalls ablehnen.

Bürgermeister Walter Schnell wollte das Verbot nicht nur auf verpachtete gemeindliche Flächen beschränken. Die Regelung müsse daher auch alle von der Gemeine direkt bewirtschaftete Flächen beinhalten. Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen empfahl er auch anderen Verpächtern, den Kirchengemeinden sowie den Vereinen mit Grundbesitz.


Treffen der gentechnikfreien Kommunen in Bayern
Umweltminister Söder: Bayern soll selbst über Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen bestimmen

Gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen bestehen in Bayern große Vorbehalte. In einer Umfrage haben dies 75 Prozent der Befragten in Bayern strikt abgelehnt. Rund 100 bayerische Kommunen haben sich daher bewusst gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ausgesprochen.

Bayern soll selbst über den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen bestimmten können. Die bayerische Haltung zur Gentechnik, getragen von zahlreichen Kommunen, hat zum Politikwechsel auf europäischer Ebene beigetragen. Das betonte Dr. Markus Söder, Umweltminister, nach dem ersten Treffen mit gentechnikanbaufreien Gemeinden, Städten und Landkreisen in München.

"Wir wollen selbst entscheiden, was auf bayerischen Äckern wächst. Hierfür haben wir die Unterstützung vieler Kommunen", so Söder. Derzeit können Landwirte freiwillig auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verzichten. "Die zahlreichen freiwilligen Initiativen in Gemeinden, Städten und Landkreisen sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einem gentechnikanbaufreien Bayern. Sie zeigen vorbildliches Engagement vor Ort", so Söder.

Gentechnik lässt sich nicht an Grenze aufhalten

Für den Landkreis Roth nahm der stellvertretende Landrat und Kammersteiner Bürgermeister Walter Schnell an der Konferenz teil. Die Region Roth-Schwabach gehört zu den Vorreitern der gentechnikfreien Kommunen in Bayern. Schnell dankte dem Minister für dessen Engagement zur Verhinderung grüner Gentechnik im Freistaat.

Gerade bei der grünen Gentechnik sei allerdings ein gemeinsames europäisches Vorgehen wichtig. Walter Schnell: "Bei den Hausschlachtungen setzt die EU ihre Regulierungswut bis in den kleinsten Weiler durch, bei der grünen Gentechnik kann jede Region nach Belieben entscheiden. Nachdem in Bayern Wüstensand aus der Sahara ankommt, sollte man bedenken, dass sich Pollenflug, Pflanzen und Saatgut nicht an einer Grenze aufhalten lassen."

Elfriede Götz, Bäuerin aus Haag, sprach sich für 100%-gentechnikfreie Futtermittel aus. "Wir brauchen Aufklärung über die Nachteile der Agrogentechnik und keine Werbung der Agrotechnikfirmen."

Die Kammersteinerin Elfriede Dornisch koordiniert seit Jahren engagiert und erfolgreich die Aktivitäten gegen die grüne Gentechnick. Dornisch: "Es ist sehr begrüßenswert, dass Minister Söder Bayern gentechnikfrei halten will. Allerdings wäre diese Entscheidung bedeutungslos, wenn sich CDU, FDP und Bauernverband mit ihrer Forderung durchsetzten, die Nulltoleranzgrenze für Saatgut zu kippen, denn das wäre der Türöffner zur grenzenlosen Kontamination und der 'Supergau' für die Landwirtschaft. Dann hätten wir alle 'morgen' Genfood auf dem Teller und die Bauern wären künftig lizenzpflichtig. Kontamination ist von den Konzernen gewollt, weil die Verbraucher Genlebensmittel ablehnen und die Lebensmittelwirtschaft reihenweise auf 'Ohne Gentechnik' umstellt."

Foto: v.l.n.r.: Andrea Dornisch, Bürgermeister Walter Schnell und Elfriede Götz mit einem Plakat der gentechnikfreien Gemeinden, Städte und Landkreise.


Gemeinde Kammerstein erhält Auszeichnung des bayerischen Umweltministeriums
Gemeinsam Stellung beziehen

Nun haben der Landkreis Roth und die Gemeinde Kammerstein sogar den „Segen“ des bayerischen Umweltministeriums in ihrem Kampf gegen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft. Gemeinsam stark – unter diesem Motto will München Kommunen in ihrer Offensive gegen die Agro-Gentechnik unterstützen. Dieser Tage stellte Umweltminister Markus Söder das Logo „Gentechnikanbaufreie Kommune“ vor, unter dem die kommunalpolitischen Kritiker der Agro-Gentechnik künftig gemeinsam – und damit öffentlichkeitswirksamer – Front machen können.
Der Landkreis Roth und die Gemeinde Kammerstein nehmen diese Offerte gerne an und sehen diese ministeriale Schützenhilfe als hilfreichen Teil in ihrem eigenen Aktionsplan. Sie ließen sich darum über das Umweltministerium als „gentechnikanbaufrei“ offiziell registrieren – so, wie mittlerweile rund 100 weitere Kommunen in Bayern.
Im Foyer des Neuen Schauspielhauses Nürnberg händigte Umweltminister Markus Söder dieser Tage  an Vertreter der nordbayerischen Städte (Anzahl: 12), Kommunen (18) und Landkreise (2) das Logo aus. Für Roth waren Landrat Herbert Eckstein, Kammersteins Bürgermeister Walter Schnell und Andrea Dornisch,  Sprecherin von „Zivilcourage Roth/Schwabach“, dem Bündnis gegen Agrogentechnik, mit dabei.
Dieses Bündnis kennt keine Partei-, Gemeinde- und Vereinsgrenzen. Ob Kreisjugendring oder Direktvermarkter, ob Bauernverband oder Bund Naturschutz, ob als „Einzelkämpfer“ oder als Vertreter einer ganzen Gruppierung – sie alle eint das gemeinsame Ziel. Das besagt, dass der Landkreis und die Stadt Schwabach gentechnikfrei sowohl was den Feldanbau als auch das Viehfutter angeht, bleiben soll. Und es will regionalen, gentechnikfrei produzierten Lebensmitteln den Weg in die Haushalte ebnen.
Für Dornisch ist die Logo-Initiative des Umweltministeriums ein guter Anstoß, um in nächster Zeit verstärkt in den Landkreis-Gemeinden, die sich noch nicht offiziell von der Agro-Gentechnik distanziert haben, dafür zu werben.

Vorbildfunktion für Region

Im Jahr 2007 hatten der Landkreis und sechs seiner 16 Gemeinden entsprechende Beschlüsse gefasst und zeigen seit dem der Agro-Gentechnik konsequent die Rote Karte. Erste Kommune im Landkreis war Kammerstein im Mai 2007. Mit dem Beschluss allein ließ es die Gemeinde nicht bewenden: Schnell: dazu: „Weitere Maßnahmen folgten, wie beispielsweise das Verbot gentechnisch veränderter Lebensmittel bei der Versorgung der Kinder in der gemeindlichen Kindertagesstätte oder die Umsetzung des Beschlusses auf kirchlichen oder vereinseigenen Grundstücken“.
Das Beispiel machte Schule: Im selben Monat folgten entsprechende Gemeinderats-Voten in Büchenbach und Wendelstein. Ende Juni sagte sich der Rother Kreistag vom Gentechnik-Anbau los. Im Juli und August taten dies die Gemeinden Allersberg, Rednitzhembach und Schwanstetten.

„Wir werden jetzt daran gehen, die übrigen Kommunen im Landkreis über die Gefahren dieser Technologie zu informieren, um sie von unseren Zielen zu überzeugen“, kündigte Dornisch nach der Logo-Übergabe in Nürnberg an.
Mit Landrat Herbert Eckstein und Walter Schnell hat sie überzeugte Kommunalpolitiker an der Seite. Eckstein:  „Wer sich für die Agro-Gentechnik entscheidet, öffnet Tür und Tor für eine Entwicklung, die nicht mehr zu stoppen und erst Recht nicht mehr umkehrbar ist. Das wollen wir nicht.  Dafür treten wir ein.“ Und: „Sie schafft Abhängigkeiten von Konzernen und birgt Gefahren in sich, die in ihrer Gesamtheit bisher noch gar nicht absehbar sind“.

Lösungen auf Bundes- und Europaebene erforderlich

„Die Verleihung des Logos ist ein wichtiger und guter Ansatz“, betonte Landratsstellvertreter und Kammersteins Bürgermeister Schnell. „Jetzt müssen aber auch Lösungen auf Bundes- und Europaebene gefunden werden, um die so genannte "Null-Toleranz-Grenze" bei Futtermitteln wiederzuerlangen und die Aufhebung der „Null-Toleranz-Grenze“ für Saatgut zu verhindern. Bayern kann und darf hier nicht alleine stehen!“
Beide Politiker werden künftig mit dem Logo des Umweltministeriums arbeiten. Landrat Herbert Eckstein erklärt warum: „Damit wollen wir die kleinen Strukturen, die kurzen Wege zwischen Produzent und Verbraucher forcieren und bei den Bürgern das Bewusstsein für „natürliche“ Lebensmittel schärfen.“ Andrea Dornisch sieht die Verantwortung nicht nur in der Politik: „Mit ihrem Kaufverhalten haben es die Verbraucher nicht nur in der Hand, politisch den Markt zu steuern, sondern auch gesundheitliche Langzeitschäden für sich und die eigene Familie zu vermeiden.“
Information: Die gentechnikanbaufreien Kommunen, die sich über das Umweltministerium registrieren haben lassen, sind im Internet zu finden unter:  http://www.stmug.bayern.de/umwelt/gentechnik/kommunen/index.htm;
Weitere Informationen gibt es auch auf der Homepage des Bund Naturschutz unter www.gentechnikfreie-regionen.de.